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Universität St. Gallen · Bachelor

Diagrammlegenden und mehrere Datenreihen richtig zuordnen

Ordne Farben, Linien und Bezugsgrößen sauber zu, bevor du Werte vergleichst.

Für Anmeldung, Termine und den allgemeinen Ablauf: unser Überblick zum HSG-Auswahlverfahren.

Lernende Person betrachtet mehrere Datenreihen auf einem Laptop.

Bei einem Diagramm mit mehreren Datenreihen gehört jeder Wert zu einer bestimmten Kategorie, Gruppe oder Messgröße. Die Legende ordnet Farben, Linienarten oder Symbole diesen Reihen zu. Lies deshalb erst die Legende und dann den Wert ab. Eine richtige Zahl aus der falschen Reihe ergibt eine falsche Aussage. Für den HSG-Bereich „Diagramme und Tabellen“ empfehlen wir, Reihenbezeichnung, Achse, Einheit und Zeitpunkt gemeinsam zu prüfen. Die HSG bestätigt den Bereich, aber keine konkrete offizielle Legendenaufgabe; alle Beispiele unten sind eigene Zulassungscoach-Übungen.

Was eine Datenreihe ist

Eine Datenreihe ist eine Folge von Werten, die nach derselben Logik zusammengehören: etwa Umsatz nach Region, Besucherzahl nach Monat oder Quote nach Altersgruppe. Ein Diagramm kann mehrere Reihen gleichzeitig zeigen. Die Legende verrät, welche Farbe oder Linie zu welcher Reihe gehört; die Achsen erklären, welche Werte und Zeitpunkte abgetragen sind.

Lies zunächst Titel und Untertitel, danach Achsen und Einheiten, dann Legende und erst anschließend die Werte. Wenn du sofort der auffälligsten Farbe folgst, kann ein anderes Symbol oder ein ähnlicher Farbton leicht übersehen werden. Bei Schwarz-Weiß-Ausgabe oder Barrierefreiheit können gestrichelte Linien, Punkte und Marker wichtiger sein als Farben.

Legende systematisch mit der Reihe verbinden

Wähle eine Reihe in der Legende aus und verfolge sie vollständig durch das Diagramm. Notiere die Kategorie, das Symbol und die Einheit. Wenn mehrere Linien ähnliche Farben haben, prüfe zusätzlich Markerformen oder Beschriftungen am Linienende. Verlasse dich nicht auf die Farbe allein, wenn eine zweite Codierung vorhanden ist.

Zulassungscoach-Übung 1: Ein fiktives Diagramm zeigt für drei Monate Anfragen als blaue Linie: 100, 120, 140; Abschlüsse als grüne Linie: 40, 50, 45. Im zweiten Monat beträgt der Abstand zwischen Anfragen und Abschlüssen 70 Fälle. Die Anfragen steigen von Monat 1 zu Monat 2 um 20, während Abschlüsse um 10 steigen. Im dritten Monat nimmt die Zahl der Anfragen erneut um 20 zu, Abschlüsse sinken um 5. Wer die Linienfarben vertauscht, erzeugt trotz korrekter Subtraktion eine falsche Interpretation.

Wenn du die Legende kurz in eine Notiz überträgst, etwa „blau = Anfragen; grün = Abschlüsse“, kostet das wenige Sekunden und verhindert Folgefehler. Bei einer Frage nach einer bestimmten Kategorie unterstreiche ihren Namen im Text und markiere dann dieselbe Bezeichnung in der Legende.

Mehrere Reihen vergleichen, ohne Kategorien zu vermischen

Vergleiche nur Werte derselben Messgröße oder unterschiedlicher Gruppen derselben Messgröße. Zwei Regionen können beim Umsatz in Euro verglichen werden, sofern Skala und Zeitraum übereinstimmen. Eine Reihe „Anzahl“ neben einer Reihe „Prozentquote“ darf nicht als bloßes Höhenverhältnis verglichen werden. Der Diagrammtyp und die Achsenzuordnung bestimmen, welche Vergleiche sinnvoll sind.

Zulassungscoach-Übung 2: Eine Grafik zeigt Personenzahlen in Region Nord und Süd. 2022: Nord 80, Süd 100; 2023: Nord 90, Süd 95. Nord steigt absolut um 10, Süd sinkt um 5. Die Differenz zwischen den Regionen verändert sich von 20 auf 5 Personen. Daraus folgt, dass sich die beiden Werte annähern, nicht aber, dass Nord Süd „überholt“ hat. Für eine Überholung müsste Nord zu einem späteren Zeitpunkt über Süd liegen.

Ein visueller Kreuzungspunkt reicht nicht immer aus. Wenn Messpunkte nur jährlich aufgenommen wurden, weißt du nicht genau, wann sich die Werte zwischen zwei Jahren kreuzten. Zwischenwerte sind nur dann bekannt, wenn die Daten sie zeigen oder eine ausdrücklich gegebene Annahme sie erlaubt.

Doppelte Achsen und verschiedene Einheiten

Ein Diagramm kann zwei vertikale Achsen verwenden, etwa links eine Anzahl und rechts eine Prozentquote. Die Reihen werden dann auf unterschiedliche Skalen abgebildet. Zwei Linien, die im Bild gleich hoch liegen, können völlig verschiedene Zahlen und Einheiten haben. Ein Schnittpunkt im Bild hat nicht automatisch eine inhaltliche Bedeutung.

Zulassungscoach-Übung 3: Links steht die Achse „Personen“ von 0 bis 1.000, rechts „Anteil“ von 0 bis 100 Prozent. Eine blaue Reihe mit 500 Personen und eine orange Reihe mit 50 Prozent liegen jeweils in der Mitte ihrer Skala. Das bedeutet nicht, dass 500 gleich 50 ist. Es bedeutet nur, dass beide Werte auf ihrer eigenen Achse die halbe Skalenhöhe erreichen.

Prüfe, welche Achse zu welcher Reihe gehört. Falls die Zuordnung unklar ist, darfst du keine präzise Zahleninterpretation behaupten. Ein allgemeiner Ratgeber zu Diagrammachsen und Skalen vertieft Achsenbeginn, Einheiten und Maßstäbe; hier steht die Reihenidentität im Fokus.

Legendenwerte und Prozentreihen

Eine Prozentreihe hat eine andere Einheit als eine Anzahlreihe. Prozentwerte können außerdem einen Nenner voraussetzen: Anteil innerhalb welcher Gruppe? Wenn eine Tabelle oder Legende „Quote“ sagt, suche nach der Bezugsgruppe und behaupte keine absolute Anzahl ohne Gesamtzahl. Für die Veränderung einer Quote gilt: Differenz in Prozentpunkten; relative Veränderung benötigt zusätzlich den Startwert.

Zulassungscoach-Übung 4: Eine rote Linie zeigt den Anteil erfolgreich abgeschlossener Aufträge: 60 Prozent, 70 Prozent, 75 Prozent. Eine graue Säule zeigt die Zahl aller Aufträge: 100, 80, 60. Die erfolgreiche absolute Zahl beträgt 60, 56 und 45. Obwohl die Quote steigt, sinkt die absolute Zahl abgeschlossener Aufträge nach dem ersten Zeitpunkt. Das ist kein Widerspruch, sondern die Folge einer kleineren Gesamtzahl.

Die Berechnung lautet je Zeitpunkt Quote × Grundgesamtheit. Für 70 Prozent von 80 sind das 56; für 75 Prozent von 60 sind es 45. Runde nur, wenn die Aufgabe dies verlangt oder die Werte keine exakte Anzahl ergeben. Die Tabelle kann bereits gerundete Prozentwerte enthalten, daher ist eine rekonstruierte Anzahl möglicherweise näherungsweise.

Muster, Symbole und überfüllte Legenden

Ein Diagramm mit vielen Reihen kann unübersichtlich sein. Arbeite bei einer konkreten Frage selektiv: Identifiziere nur die genannte Kategorie und deren relevante Zeitpunkte, statt sämtliche Linien gleichzeitig zu vergleichen. Danach kannst du prüfen, ob eine Schlussfolgerung über andere Reihen erforderlich ist. So verringerst du die Wahrscheinlichkeit, eine ähnliche Kurve zu verfolgen.

Zulassungscoach-Übung 5: Vier Linien sind im Diagramm als Kreise, Quadrate, Dreiecke und Rauten markiert. Die Legende ordnet Quadrat der Reihe „Plan“ und Raute der Reihe „Ist“ zu. Im fraglichen Monat liegen die Werte bei 120 beziehungsweise 110. Die Plan-Ist-Abweichung beträgt 10 Einheiten. Wenn du nur die Farben beachtest und in einer Druckversion beide Linien grau sind, kannst du die Reihen verwechseln. Markerform und Beschriftung bleiben daher wichtige Hinweise.

Wenn zwei Legendenbeschriftungen nahezu gleich klingen, unterscheide sie bewusst: „Gesamtzahl“ versus „davon online“; „Anteil der gesamten Gruppe“ versus „Anteil an allen Antworten“. Die zweite Größe kann dieselben Personen anders normieren. Verwechsle Kategorienamen nicht mit Einheiten.

Veränderungen je Reihe ausrechnen

Nachdem du die korrekte Reihe identifiziert hast, berechnest du Veränderung zwischen Zeitpunkten. Absolute Differenz: Ende minus Anfang. Relative Veränderung: Differenz geteilt durch Anfangswert. Bei mehreren Reihen notiere Start- und Endwerte getrennt, damit du keinen Startwert aus der falschen Linie als Nenner verwendest.

Zulassungscoach-Übung 6: Reihe A steigt von 40 auf 50, Reihe B von 200 auf 220. Absolut: A +10, B +20. Relativ: A 10/40 = 25 Prozent, B 20/200 = 10 Prozent. „Welche Reihe wächst stärker?“ benötigt die Klärung, ob absolute oder relative Entwicklung gemeint ist. Beides lässt sich aus demselben Diagramm korrekt beantworten.

Bei ungleich langen Zeitabständen teilst du eine absolute Veränderung durch die Jahre, wenn eine durchschnittliche jährliche Änderung gefragt ist. Der optische Abstand zwischen Punkten kann täuschen, wenn die x-Achse unterschiedliche Zeitintervalle zeigt. Siehe dazu Zeitreihen und Wachstum.

Datenreihen in Tabellen nachverfolgen

Manche Diagramme werden durch eine Datentabelle ergänzt. Verwende die Tabelle für exakte ablesbare Werte und das Diagramm für Muster und Entwicklung. Prüfe, ob Tabellenzeile und Legendenname genau dieselbe Kategorie meinen. Farbmarkierungen können die Zuordnung unterstützen, aber Beschriftungen sind maßgeblich.

Zulassungscoach-Übung 7: Eine Legende unterscheidet „Neukundschaft“ und „Bestand“. In einer Tabelle stehen für das erste Quartal 30 und 70, fürs zweite 35 und 65. Gesamtzahl ist jeweils 100. Neukundschaft steigt um 5 Fälle und zugleich um 5 Prozentpunkte des Gesamtwerts; Bestand sinkt entsprechend. Wenn Gesamtzahlen nicht konstant wären, müsste der Anteil separat berechnet werden. Die Komplementärbeziehung gilt hier nur, weil die beiden Kategorien die ganze Gruppe vollständig und überschneidungsfrei aufteilen.

Eine Tabelle kann auch fehlende Werte oder Rundungen enthalten. Wenn Summen nicht exakt 100 Prozent ergeben, prüfe Fußnoten und Rundung, statt eine Reihe eigenmächtig zu korrigieren. Für den passenden Nenner bei Gruppenvergleichen siehe Tabellen-Bezugsgrößen.

Fehlerdiagnose: falsche Kurve oder falsche Rechnung?

Trenne Ablesefehler von Rechenfehlern. Frage dich zuerst: Habe ich die verlangte Kategorie gefunden? Stimmen Symbol, Einheit und Achse? Danach: Habe ich den richtigen Startwert genommen? Erst zum Schluss: Ist meine Differenz oder Quote rechnerisch korrekt? Eine saubere Diagnose verhindert, dass du zusätzliche Prozentübungen trainierst, obwohl tatsächlich die Legende übersehen wurde.

Typische Fehlerkategorien sind: Legende vertauscht, Reihe auf zweiter Achse falsch interpretiert, Anteil als Anzahl gelesen, Zeitraum verwechselt, Prozentänderung mit Prozentpunkten verwechselt oder optischen Schnittpunkt als exakten Zeitpunkt verstanden. Schreibe nach einer falschen Antwort den konkreten Auslöser auf und erstelle eine Gegenfrage zur selben Grafik. Zum Beispiel: „Was wäre der Wert der blauen Reihe im Vorjahr?“

Transfer auf unbekannte Diagramme

Bei einem unbekannten Diagramm gilt dieselbe kurze Routine: Titel und Zeitraum; Achsen und Einheiten; Legende; gesuchte Reihe; Messpunkte; Rechnung; vorsichtige Aussage. Wenn das Diagramm Balken statt Linien nutzt, bleiben Zuordnung und Nenner relevant. Wenn es gestapelte Balken zeigt, ist die Gesamthöhe nicht mit einem einzelnen Segment gleichzusetzen. Wenn Markierungen fehlen, suche nach direkter Beschriftung oder Tabelle.

Für Mehrfachreihen lohnt sich ein Mini-Raster auf Papier: Kategorie | Start | Ende | absolute Änderung | relative Änderung. Fülle nur die Reihen aus, nach denen gefragt wird. Das reduziert unnötige Rechenarbeit und hält den Nenner sichtbar. Bei kumulierten Reihen musst du zunächst herausfinden, ob die Kurvenstände Gesamtwerte oder Einzelperiodenwerte darstellen; dazu hilft kumulierte Werte.

HSG-Kontext und nächster Schritt

Die offizielle Auswahlseite der Universität St.Gallen nennt Diagramme und Tabellen sowie quantitatives Problemlösen als die beiden Bereiche des insgesamt 70-minütigen Online-Eignungstests. Eine vollständige Liste konkreter Diagrammformen wird nicht bestätigt. Die Beispiele in diesem Artikel sind deshalb eigens erstellte Trainingsfälle. Der offizielle Übungstest kann dir die Testoberfläche und die dort gezeigten Beispielaufgaben näherbringen.

Wähle als nächsten Schritt ein beliebiges Diagramm mit mindestens zwei Reihen. Notiere vor jeder Rechnung in Worten, welche Reihe du verwendest und zu welcher Achse sie gehört. Berechne anschließend eine absolute und eine relative Veränderung. Formuliere zum Schluss eine Aussage, die das Diagramm trägt, und eine, die eine zusätzliche Annahme bräuchte. Diese Prüfung verbindet präzises Ablesen mit vorsichtiger Interpretation.

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